Interview mit Restaurator Maik Ebert


Aus: www.denkmalbrief.de

11.01.2010: Maik Ebert (29) ist seit 2003 Meister und geprüfter Restaurator im Zimmererhandwerk, Sachkundiger im Holzschutz am Bau und Abteilungsleiter des Handwerksbetriebs Kramp und Kramp GmbH & Co. KG, Lemgo-Lieme. Der Betrieb beschäftigt sich ausschließlich mit der Baudenkmalpflege und Altbausanierung. Für seine herausragende Arbeit ist die Firma Kramp und Kramp 2009 mit dem Bundespreis für Handwerk in Denkmalpflege/ Komplettrestaurierung ausgezeichnet worden.

1. Sie sind seit sechs Jahren im Restaurierungshandwerk tätig. Was macht die Restaurierung Ihrer Meinung nach so besonders und interessant?
Das Schöne an der Arbeit ist, dass sie abwechslungsreich und vielfältig ist. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen. Ich restauriere am liebsten aufwendige Fachwerkkonstruktionen, das letzte Projekt in der Richtung, war das Torhaus in Lemgo. Die Arbeit war herausragend und eine große Herausforderung, aber der Einsatz hat sich gelohnt, das Ergebnis ist großartig. Die Betrachtung der Vorher-Nacher-Dokumentation macht dann am meisten Spaß.

2. Sie haben gesagt, dass sie am liebsten Holz restaurieren. Was unterscheidet die Holzrestaurierung von der Restaurierung anderer Materialien?
Wichtig bei der Wiederherstellung von hölzernen Bauteilen ist, dass zerstörtes Holz immer mit artgleichem Material ersetzt wird. Das heißt ein Eichenholzfachwerk, sollte auch mit Eichenholz und nicht mit artfremdem Material erneuert werden. Das verarbeitete Holz muss frisch sein und an die Feuchte des Ausgangsmaterials angepasst werden. Darüber hinaus ist wichtig, dass das Holz nach seiner Verarbeitung die Möglichkeit hat zu atmen. Deshalb ist es grundlegend falsch diffusionsdichte Anstriche zu verwenden, wie es in den 80er Jahren Standard war.

3. Was sind die grundlegenden Arbeitsschritte einer Fachwerkrestaurierung? Wie gehen Sie vor?
Wie bei allen Restaurierungsarbeiten muss als erster und wichtiger Schritt der Ausgangszustand des Denkmals dokumentiert werden. Nachdem die Holzkonstruktion durch Abstützung abgesichert ist, kann der Altanstrich des Holzes, wenn das nötig ist, entfernt werden. Hier kommt meist erst das eigentliche Ausmaß der Schäden im Holz zur Geltung. Die Reparatur der Holzkonstruktion erfolgt dann mit Hilfe von artgleichem Holz, das die beschädigten Stellen ausfüllt. Die mit dem neuen Holz ausgestatteten Stellen werden dann an das noch erhaltene Kunstwerk angepasst. In diesem Arbeitsschritt wird das hinzugefügte Holz in seine ursprüngliche Form geschnitzt. Nach dem Überstrich ist dann so gut wie kein Unterschied mehr zwischen alten und neuem Holz zu erkennen und die Restaurierung ist gelungen.

4. Welche grundlegende Erfahrung haben Sie in ihrer sechsjährigen Berufstätigkeit bezüglich der Restaurierungstätigkeit gemacht?
Eine grundlegende Erfahrung, die wir immer wieder machen, ist, dass viele Handwerkerfirmen, die sich an Restaurierungsarbeiten wagen, denken sie wüssten was zu tun ist, am Ende ihrer Arbeit aber großen Schaden an dem Kulturgütern hinterlassen. Vor allem Firmen, die nicht wegen ihrer fachspezifischen Erfahrung, sondern wegen ihres billigen Angebots für Restaurierungsarbeiten ausgewählt werden, verursachen mit oberflächlichen und unsachgemäßen Arbeiten gravierende Substanzverluste an historischen Bauten und anderen Kulturdenkmalen. Es gibt viele Möglichkeiten eine Restaurierung falsch anzugehen, aber oft nur eine sie richtig zu machen. Das Wichtigste für eine nachhaltige Arbeit ist tiefgreifendes Fachwissen und eine gute Vorbereitung. Ich hatte oft schon Arbeiten, bei denen die Planung länger gedauert hat als die eigentliche Wiederherstellung.

5. Welche Probleme folgen aus den falschen Restaurierungsmethoden?
Wenn das Material nicht atmen kann, sammelt sich in der Konstruktion Wasser an und es ergeben sich erhebliche Schäden durch Fäulnisprozesse und holzzerstörende Pilze. Oft ist das Holz dann soweit zerstört, dass überhaupt nicht mehr zu erkennen ist, wie das Kunstwerk ursprünglich einmal ausgesehen hat.

6. Wie gehen Sie dann vor?
Dann wird zum Beispiel ein sogenanntes fotogrametrisches Aufmaß angefertigt. Das heißt, dass das Objekt mit einer speziellen Kamera fotografiert wird und entsprechende Computerprogramme die Bilder entzerren. Mit diesen Messbildern hat man dann die Möglichkeit, die Maße der ursprünglichen Konstruktion zentimetergenau zu entnehmen. Oft gibt es aber auch Fotos oder Gemälde, die dokumentieren wie das zu restaurierende Objekt einmal ausgesehen hat.

7. Wenn die Restaurierung fachmännisch richtig angegangen wurde, wie lange hält diese dann?
Ein Leben lang. Unter der Voraussetzung natürlich, dass das Denkmal gepflegt, dass heißt regelmäßig überprüft und gewartet wird.

8. Sie haben vorhin die Probleme, durch falsche Bearbeitung des Restaurationsobjektes angesprochen. Was muss sich ihrer Meinung nach in Zukunft in dem Handwerk noch verbessern?
Wie ich eben schon angedeutet habe, kommen qualifizierte Handwerksbetriebe bei öffentlichen Ausschreibungen häufig nicht zum Zug, weil sie in ihren Angeboten eine gründliche und fachgerechte Ausführung einkalkulieren, die zwangsläufig kostenaufwendiger ausfällt als die eines Anbieters, der diese zeit- und materialaufwendigere Arbeitsweise nicht beachtet. Die Folgen sind, dass nach Ablauf der Garantiezeit erneute Schäden auftreten, die wiederum erhebliche Kosten verursachen. Um diese unnötigen Kosten zu vermeiden, sollten die Allgemeinen Bestimmungen für die Vergabe von Bauleistungen (VOB) konsequent angewendet werden.

9. Was sehen diese Bestimmungen konkret vor?
Die VOB sehen vor, dass Bauleistungen grundsätzlich an fachkundige, leistungsfähige und zuverlässige Unternehmen vergeben werden. Bei fachspezifischen Arbeiten an Kulturdenkmalen soll demnach eine Ausschreibung ausschließlich unter geprüften Restauratoren durchgeführt werden. Die Ausschreibungen können auch einen Wettbewerb unter den Teilnehmern beinhalten.
Außerdem sollte von den geforderten europaweiten Ausschreibungen Abstand gehalten werden. Spezielle Maßnahmen an Kulturdenkmalen eigenen sich nicht für die europaweite Ausschreibung, da fachgerechtes Restaurieren die genaue Kenntnis der Eigenarten einer Kulturlandschaft voraussetzt. Bei der Kalkulation der Restaurierungsangebote sollte auch die laufende Nachkontrolle und die ständige Pflege der Denkmale bedacht werden. Auch diese Arbeit sollte wiederum nur von Fachbetrieben wie der „Geprüfte Restaurator im Handwerk“ geleistet werden.

Das Interview führte Claudia Denecke am 04.11.2009

(Quelle: Leipziger Messe GmbH)

 

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